Einleitung

Im Rahmen der Schwangerenvorsorge werden pränataldiagnostische Untersuchungen und Maßnahmen angeboten mit dem Ziel, mögliche Fehlbildungen oder komplexe Erkrankungen des Kindes zu erkennen bzw. auszuschließen. Diagnose- und Therapiemöglichkeiten werden von Schwangeren und ihren Partnern zunehmend genutzt. Nach Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat die überwiegende Mehrheit der Schwangeren (85%) mindestens eine pränataldiagnostische Maßnahme in Anspruch genommen. Gleichzeitig jedoch kennt die Hälfte der Schwangeren den Begriff Pränataldiagnostik entweder nicht oder versteht etwas Falsches darunter.1

 

Viele werdende Eltern begreifen pränataldiagnostische Untersuchungen als Möglichkeit, sich des gesunden Entwicklungsverlaufs ihres Kindes sicherer sein zu können. Doch bei einem Teil der Schwangeren kommt es zu einem unerwarteten auffälligen oder gar positiven Befund, der bei den Betroffenen hohe psychische Belastungen auslöst. Im besten Fall können frühzeitig therapeutische Maßnahmen geplant werden. Ist dies jedoch aufgrund von Diagnose und Prognose nicht möglich, geraten werdende Eltern häufig in schwerste Konfliktsituationen.  In dieser existentiellen Krisensituation haben betroffene Frauen und gegebenenfalls ihre Partner einen erheblichen Informations-, Aufklärungs- und Beratungsbedarf. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass dieser oftmals nicht ausreichend befriedigt werden konnte und Schwangere und ihre Partner keinen Zugang zu einer in dieser Situation erforderlichen umfassenden, fachübergreifenden ärztlichen und psychosozialen Beratung und Hilfestellung fanden.
 

Der Gesetzgeber hat daher das Gesetz zur Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) beschlossen, das am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist.2  Mit diesem Gesetz regelt der Gesetzgeber Eckpunkte für eine umfassende fachübergreifende ärztliche Beratung und stellt sicher, dass eine Schwangere bei einem auffälligen Befund im Rahmen einer vorgeburtlichen Untersuchung Kenntnis von ihrem Anspruch auf eine umfassende auch psychosoziale Beratung und infolge der ärztlichen Kontaktvermittlung vereinfachten Zugang zu einer Beratungsstelle erlangt. Die vorgesehene Bedenkzeit von drei Tagen zwischen Mitteilung der Diagnose und Feststellung der Voraussetzungen einer medizinischen Indikation verschafft zudem der Schwangeren den Raum, die Schocksituation zu überwinden und die Konsequenzen des Befunds von allen Seiten zu beleuchten.
 

Wünschenswert ist, dass sich infolge dieser gesetzlichen Vorgaben die Kooperation und Vernetzung zwischen Ärztinnen und Ärzten und psychosozialen Beraterinnen und Beratern intensiviert bzw. dort, wo sie noch nicht stattfindet, angestoßen wird. Die gegenseitige Kenntnis, das Vertrauen und die Wertschätzung in die Arbeit der unterschiedlichen in Pränataldiagnostik beteiligten Berufsgruppen bietet eine gute Basis für eine optimale Versorgung der Betroffenen.

 

Vor diesem Hintergrund entwickelte die BZgA das Medienpaket Pränataldiagnostik. Das vorliegende Handbuch ist Teil des Medienpakets. Dieses umfasst
 

  • die Printversion des Handbuchs inkl. einer DVD "Ja zum behinderten Kind",
  • weiteres Filmmaterial mit Paaren, die über ihre Erfahrungen mit Pränataldiagnostik berichten (nur online verfügbar),
  • das vorliegende Online-Angebot, das alle oben genannten Inhalte des Medienpakets zur Verfügung stellt.

 

Die BZgA legt mit dem vorliegenden Handbuch ein grundlegendes Informationsmaterial für die Praxis vor. Dieses Handbuch richtet sich sowohl an die Mitarbeitenden im medizinischen Bereich als auch an psychosozial Beratende. Die Publikation stellt umfassende Fachinformationen zur Pränataldiagnostik und zur psychosozialen Beratung zur Verfügung. Sie vermittelt zudem gute Einblicke in den Arbeitsalltag aller beteiligten Berufsgruppen.
 

Das Handbuch wird von einer DVD begleitet, die ein Interview mit den Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom zeigt. Das Paar berichtet über seine Erfahrungen mit medizinischer und psychosozialer Beratung und seine Entscheidung für ein behindertes Kind. Das Interview und weitere Filmsequenzen stehen auf diesen Internetseiten ebenfalls zur Verfügung.

 

Anmerkungen

1 Vgl. BZgA (2006): Schwangerschaftserleben und Pränataldiagnostik

2 BGBl I vom 14. September 2009, S. 2990 ff.